Was ich gleich zu Beginn klarstellen möchte: Ich bin weder Therapeutin noch Psychologin. Fühlst du dich mit deinen Gefühlen überfordert, dann suche bitte professionelle Unterstützung.

Wenn ich frage: „Wie fühlt man eigentlich seine Gefühle?“, dann maße ich mir nicht an, festzulegen, wie man sie fühlen muss. Ich teile nur meine eigene Wahrnehmung.

In unbewussten Momenten, wenn ich nicht bereit bin, mich dem zu stellen was gerade drückt, gerade keine Zeit habe oder die Intensität zu groß ist, dann greife auch ich zu Ablenkung oder Verdrängung. Oder ich rede und analysiere so lange um das Thema herum, bis ich den direkten Zugang verliere. Das Gefühl ist nicht weg, es rutscht nur in den Hintergrund. Das zieht den Prozess oft in die Länge. Dennoch tue ich es.

Die andere Art, etwas zu fühlen, gelingt mir nur in Momenten, wo ich sehr bewusst bin und in die Beobachterrolle gehen kann.

Schritt 1: Ich betrachte die Situation kurz mental. Was ist passiert? Welche Gedanken habe ich? Ich gebe dem, was da ist, einen Namen: „Ich spüre Ärger, Traurigkeit, Hilflosigkeit …“ (Studien zeigen, dass allein das Benennen schon beruhigend wirkt und das Stresssystem dämpfen kann.)

Schritt 2: Dann lasse ich den Namen und alle Geschichten los und gehe auf die Körperebene. WO genau zeigt es sich? Bauch, Herz, Nacken, Hals, Kopf …

Schritt 3: Ich frage: „WIE fühlt es sich dort an?“ Ist die Kehle eng, liegt ein Knoten im Bauch, spüre ich Druck im Kopf? Ab hier bleibe ich nur beim Wahrnehmen.

Schritt 4: Ich beobachte. Ich versuche nicht, etwas wegzuatmen oder zu verändern. Ich lasse es da sein. Manchmal ermutige ich es sogar: „Zeig dich in voller Größe.“ „Du darfst da sein.“ „Ich erlaube dir, dich zu zeigen.“ Dann spüre ich, wie sich die Energie intensiviert, im Körper wandert – vielleicht vom Bauch in die Kehle, dann in den Kopf – und schließlich abfließt.

Schritt 5: Ich begleite das einfach. Der Prozess kann schnell gehen, manchmal in wenigen Minuten. Er braucht Mut, weil wir es nicht gewohnt sind, so präsent zu bleiben. Aber oft bin ich erstaunt, wie kurz es eigentlich dauert, während Ablenkung und Verdrängung sich über Stunden oder Tage ziehen können.

Auch wenn ich geübter geworden bin, ertappe ich mich immer wieder beim Verdrängen. Da ist diese Urangst: Als würde mich die Intensität verschlingen, wenn ich sie zulasse. Als würde ich bei Nacht von einem Felsen in pechschwarzes Wasser springen. Doch am Ende habe ich eine Wahl: Einmal intensiv und kurz – oder leise, abgeschwächt, dafür dauerhaft im Hintergrund.

Eine andere Möglichkeit, die Energie (Gefühle) in Bewegung zu bringen, ist Bewegung selbst. Vielleicht sage ich das, weil für Manifestoren, Generatoren und Manifestierende Generatoren laut Human Design Bewegung so wichtig ist – ob es auch für Projektoren und Reflektoren gilt, weiß ich nicht. Aber ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich meinen Körper bewege, bewegt sich auch die Energie der Gefühle. Ein 30 Minuten Spaziergang wirkt Wunder. Danach geht es mir immer besser.

Ich weiß leider nicht mehr, woher der erste Impuls kam, meine Gefühle auf diese Weise zuzulassen. Später bin ich Büchern begegnet, die ähnliche Methoden beschreiben. Ich verlinke dir hier schon einmal eines – und werde die Liste erweitern, sobald ich neue passende Literatur zum Thema finde.

Mini-Zusammenfassung:

  1. Benennen: „Was ist da?“

  2. Körper spüren: Wo zeigt es sich?

  3. Beschreiben: Wie fühlt es sich dort an?

  4. Beobachten & erlauben: Nichts verändern, nur da sein lassen.

  5. Begleiten: Wahrnehmen, wie die Energie sich bewegt und schließlich abklingt.

 

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BUCHEMPFEHLUNG: Gefühle sind zum Fühlen da: Das Handbuch vom positiven Umgang mit negativen Emotionen

von Safi Nidiaye