In Teil 1 des Movie-Experiments habe ich dich gebeten, Gegenstände um dich herum gedanklich verschwinden und wieder erscheinen zu lassen, um zu sehen, wie – und ob – sich deine Beziehung zu scheinbar unbedeutenden Dingen, an denen man tagtäglich vorbeiläuft, ohne sie groß zu beachten, verändert.

Heute schlüpfen wir in eine andere Rolle, nämlich in unsere eigene! Ausgehend davon, dass das Leben ein Film ist mit Haupt- und Nebendarstellern, Statisten und Requisiten, schauen wir heute genauer auf die Hauptperson.

Wer ist die Hauptperson in deinem Lebensfilm? Du, natürlich!
Und hier kommt der Spaß: Betrachte dich heute als Hauptfigur, Hero, deines Lebens – aber von außen.

Der Film heißt „Das wunderbare Leben von (dein Name)“. Du nimmst die Position des Betrachters ein, als würdest du selbst deinen eigenen Film mit dir in der Hauptrolle anschauen. Und jetzt schalten wir die Stimme aus dem Off an, die die aktuelle Szene, in der du dich gerade befindest, kommentiert – genauso wie es auch manchmal in Filmen gemacht wird.

Das könnte sich in meinem Fall zum Beispiel so anhören:

„Tanja sitzt, ihren Morgenkaffee trinkend, auf dem Sofa und schaut ins Grüne. Wind bewegt den Vorhang. Sie kann ihn spüren. Licht glitzert. Einer ihrer Lieblingsmomente des Tages. Heute hat sie sich viel vorgenommen, sie will ihre Comfort Zone verlassen, endlich über ihren Schatten springen. Noch sind Zweifel da, ihre Stirn liegt in Falten. Aber auch Hoffnung. Sie denkt: Heute ist der Tag, an dem ich über mich hinauswachse!

Beobachte dich immer wieder im Laufe des Tages aus dieser Perspektive – neutral, in der dritten Person – und beschreibe, was gerade in deinem Lebensfilm passiert, während du dich selbst als Heldin oder Held deines Films betrachtest.

Und wie ein Zuschauer im Kino: Fiebere mit.
Was wird wohl als Nächstes passieren?
Wird die Hauptperson mit dieser Situation umgehen?
Wächst sie/er über sich hinaus?

Hab Spaß damit! Dieses Experiment ist nicht dazu gedacht, dich runterzuputzen. Im Gegenteil: Auch wenn mal etwas nicht so läuft wie gewünscht, betrachte neugierig, wie deine Hauptfigur mit der Szene umgeht. Wie in jedem guten Film gibt es Höhen und Tiefen, Freude und schwierige Momente – in stetem Wechsel. Verzweifle also nicht, wenn es gerade kompliziert wird, sondern begleite deine Heldin oder deinen Helden mit Neugierde und im Wissen: Sie oder er ist dieser Szene gewachsen – und auch das geht vorbei.

Wird sich die Hauptfigur trauen oder nicht?

Welche Entscheidungen wird sie treffen?

Welche Überraschung hält das Drehbuch heute noch für sie/ihn bereit?

Mir bringt dieses Experiment große Freude. Mir selbst als Hauptfigur meines Lebens zu begegnen, mein Leben als Film zu sehen, der sich um mich selbst dreht, lässt mich Herausforderungen als Abenteuer sehen, schwierige Momente als Wendepunkte wahrnehmen, vergangene Entscheidungen als mutig einordnen, überwundenen Schmerz als Erfahrung ablegen und Konflikte mit Mitgefühl betrachten.

Jetzt du: Ich lade dich ein, einen Tag – oder auch nur eine Stunde – dich selbst aus den Augen des Betrachters zu sehen, der deinen Film schaut. Was hat sich dadurch verändert? Wie siehst du dich nun selbst?

🍿 Popcorn raus – dein Film läuft bereits!