Erst kürzlich wieder habe ich mich an das Buch „Loving What Is – 4 Questions that Can Change Your Life“ von Byron Katie (Lieben, was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können) erinnert. Ich muss gestehen, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich es je ganz gelesen habe, aber ich empfehle es dennoch und habe es gleich wieder auf meine eigene Leseliste gesetzt.
Vor Jahren bin ich durch einen Freund mit ihrer Arbeit und der Frage „Ist das wahr? Ist das wirklich wahr?“ in Kontakt gekommen. Und es lohnt sich, diese Frage als Werkzeug in dein Leben zu holen – vor allem, wenn du viele Ängste bzw. angstmachende Gedanken in deinem Kopf hast.
Letztens wurde ich morgens wach, die Augen noch nicht richtig offen, und mein Gehirn hat mit aller Kraft auf Doom & Gloom gefeuert. Herzschlag hoch und mir war klar: „Wir werden untergehen. Und es wird ganz schrecklich und sehr schmerzhaft!“
Ich war dann ziemlich wach, und dieser Gedanke hat mich aus dem Bett rauskatapultiert (vor allem, weil ich weiß, dass, wenn ich liegen bleibe, ich alles, was dann kommt, nicht mehr kontrollieren kann).
Beim Morgenkaffee – mit Blick ins Grüne – fällt mir Byron Katies Frage ein: „Ist das eigentlich wahr, dass wir untergehen?“ Und ich kann mir dabei zusehen, wie mein Gehirn in Sekundenschnelle eine komplette Wahrscheinlichkeitsrechnung aufstellt mit dem Ergebnis, dass das 99,9 % sicher ist. Also: JA, das geht sich nicht mehr aus. Jetzt ist es soweit. Untergang eingeleitet.
„Interessant!“, denke ich. Ich stimme dem sogar irgendwie zu. Sehe die Logik dahinter, rechne noch mal durch. Und ja, ich gebe zu, das hat eine hohe Wahrscheinlichkeit. Mmmh. Viel zu hoch für meinen Geschmack.
Zum Glück fällt mir noch die zweite Frage ein: „Ist das WIRKLICH wahr?“ Also in Stein gemeißelt? Tätowiert? Kann mein Gehirn mit 100 %iger Sicherheit die Zukunft voraussagen? Nein – sonst hätte ich das längst zu nutzen gewusst. Okay, das bedeutet aber auch, dass dieser Outcome nur eine Option von vielen ist. Leben ist Veränderung. Da ist vieles nicht statisch.
Was wären also weitere Szenarien, die rein theoretisch auch zutreffen könnten? Wir könnten unerwartet Unterstützung bekommen, einem glücklichen Zufall begegnen, ein tolles Jobangebot bekommen oder ein neues Projekt aufstellen. Neue Kunden könnten sich melden, wir könnten eine gewinnbringende Idee haben …
Wie geht es mir jetzt, wo ich durch einen breiteren Filter schaue und die Worst-Case-Brille für einen kurzen Moment zur Seite lege? Besser. Statt voller Hoffnungslosigkeit paralysiert zu sein, spüre ich, wie sich die Nerven beruhigen. Bewegung ist möglich. Ich löse mich aus der Starre und werde wieder handlungsfähig.
Ich schaue jetzt, hier und heute, anders in die Zukunft. Ich weiß, sie ist noch nicht geschrieben. Das bedeutet, dass alles, was ich heute tue, denke, fühle und entscheide, wahrscheinlich dazu beiträgt, dass wir irgendwie durch diese Zeit kommen – auch wenn ich noch nicht weiß, wie.
Jetzt du! Welchem Gedanken möchtest du heute die Frage stellen: „Sag mal, bist du eigentlich wahr? Ich meine, bist du wirklich wahr?“
Nachsatz: Die Arbeit von Byron Katie geht viel tiefer. Das ist nur der Einstieg in ihre Methode, die sie „The Work“ nennt. Ihre vier Fragen lauten:
1. Ist das wahr?
2. Bin ich absolut sicher, dass das wahr ist?
3. Wie fühle ich mich/reagiere ich, wenn ich diesem Gedanken glaube?
4.Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?
Falls es dich interessiert: Ich verlinke dir hier das Buch, und auch auf ihrer Website www.thework.com findest du viele Arbeitsblätter zum Download.
I discovered that when I believed my thoughts I suffered, but when I didn’t believe them I didn’t suffer, and that this is true for every human being. Freedom is as simple as that. I found that suffering is optional. I found a joy within me that has never disappeared, not for a single moment. That joy is in everyone, always. And I invite you not to believe me. I invite you to test it for yourself.
– Byron Katie
